Christmette 2025

Eine heilige Nacht umfängt uns – die Christmette, in der die Welt still wird und der Himmel sich öffnet. Stellen wir uns – wie Ignatius von Loyola uns rät,  mitten in die Szene von Betlehem: Draußen tobt der Wind, die Kälte beißt, und in einer dunklen Höhle in Bethlehem liegt ein winziges Kind in einer Futterkrippe.

Kein Prunk, keine Feste, nur Armut und Schweigen. Doch genau hier bricht Gottes Gnade hervor wie ein helles Licht in tiefster Finsternis. Heute feiern wir nicht nur eine Geburt, sondern die Erfüllung aller Prophetenworte: Ein Sohn ist uns geschenkt, der Fürst des Friedens. In Jesaja hören wir es: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht.“ Und die Engel verkünden: „Heute ist euch der Retter geboren, Christus, der Herr.“ Diese Nacht lädt uns ein, uns von dieser Gnade ergreifen zu lassen – sie, die uns erzieht, uns rettet und uns hoffnungsvoll leben lässt.

Der Prophet Jesaja malt ein Bild der Verzweiflung: Ein Volk unter dem Joch der Unterdrücker, im Land des Todesschattens. Stiefel, die dröhnend daherstampfen, Mäntel, im Blut gewälzt – das ist die Geschichte der Gewalt, die uns alle bedroht. Doch dann der Umschwung: „Ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn uns geschenkt.“ Auf seine Schultern wird die Herrschaft gelegt, und seine Namen lauten: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Dieser Friede ist kein vorübergehender Waffenstillstand, sondern ein Reich ohne Ende, gestützt durch Recht und Gerechtigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird es vollbringen! 

Paulus an Titus vertieft dies: „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.“ Sie ist nicht verborgen, sondern sichtbar geworden – im Kind Jesu. Diese Gnade erzieht uns: Wir sollen uns lossagen von Gottlosigkeit und irdischen Begierden, leben besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt. Während wir auf die selige Hoffnung warten, das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters, hat er sich für uns hingegeben. Er schafft sich ein Volk, das eifrig das Gute tut. 

Und das Evangelium macht es greifbar: Josef und Maria, auf der Reise nach Bethlehem, finden keinen Platz in der Herberge. In der Nachtwache der Hirten erscheint der Engel: „Fürchtet euch nicht! Himmel und Erde jubeln – der Messias, aus dem Haus Davids, ist da. 

Der rote Faden? Gottes Gnade erscheint als Licht in der Dunkelheit, als schwaches Kind, das den Frieden bringt. Wie Papst Franziskus sagte: „Inmitten unserer irdischen Nacht erschien ein Licht vom Himmel. Die Gnade Gottes, die alle erlöst, hat in dieser Nacht auf unsere Welt geleuchtet.“ Es ist die freie Liebe Gottes, die wir nicht verdienen, die aber alles verändert.

Die Hirten, die Nacht für Nacht wachen, werden die Ersten, die das Licht sehen. Ähnlich wie heute: In unserer Welt, voller Konflikte – Kriegen in Nahost, Hunger in Afrika, Einsamkeit in unseren Städten – scheint die Finsternis undurchdringlich. Zu viel Blut wird noch auf Erden vergossen, klagte Papst Johannes Paul II., „zu viel Gewalt und zu viele Konflikte stören das friedliche Zusammenleben der Völker.“ Doch genau dort, wo Armut und Schwäche herrschen, erscheint Gottes Gnade. 

Papst Benedikt XVI. sprach in Bethlehem selbst: Jesus ist „ein Zeichen des Widerspruchs“, geboren in einer Höhle, um ein Reich der Liebe zu begründen, das Herzen verändert, wo Hass und Egoismus wüten. 

In unserer Zeit, gezeichnet von Unsicherheit – Pandemien, Klimawandel, Spaltungen – ruft uns die Krippe: Gottes Herrlichkeit wird die Erde erfüllen wie die Wasser das Meer.

Diese Gnade Gottes ist nicht nur Geschichte, sie formt unser Leben heute. In dieser Nacht ist Gottes Gnade erschienen – Licht in der Finsternis, Friede durch das Kind in der Krippe. Es erlöst uns, erzieht uns, schenkt Hoffnung. Als Boten des Lichtes, als Zeugen für die Menschwerdung Gottes, dürfen wir in unsere Welt, in die Dunkelheit dieser Nacht hinausgehen. 

Amen