Hochfest der Geburt des Herrn, 25. Dezember 2025 

Stellen wir uns im Geist in die Gegend auf die Berge um Jerusalem. Plötzlich hören wir Schritte – leichte, eilige Schritte eines Boten. Er bringt keine Nachricht von Krieg oder Unheil, sondern Frieden, frohe Botschaft und Heil. „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten!“, ruft der Prophet Jesaja aus.

Dieser Bote ist kein gewöhnlicher Läufer. Er kündigt an: „Dein Gott ist König!“ Heute, zu Weihnachten, sind wir alle diese Wächter auf den Bergen, die jubeln, weil sie mit eigenen Augen sehen: Der Herr kehrt nach Zion zurück. Und nicht nur nach Zion – „alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen“. Das ist das Herzstück unserer Feier heute: Gott hat geredet, nicht mehr nur durch Propheten, sondern durch den Sohn. Das ewige Wort ist Fleisch geworden, hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit geschaut – voll Gnade und Wahrheit.

Das große Geheimnis der Weihnacht entfaltet sich vor uns wie ein Band, das alle Lesungen durchzieht.

Der Prophet malt das Bild eines Jubels, der die Trümmer Jerusalems erfüllt. Der Herr hat sein Volk getröstet, Jerusalem erlöst, seinen heiligen Arm vor allen Nationen entblößt. Es ist kein ferner Gott, der da handelt – er kommt nah, sichtbar, greifbar. 

Der Psalm greift das auf: „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ Denn er hat Wunder gewirkt, sein Heil bekannt gemacht vor den Augen der Völker. Alle Lande sollen jauchzen, mit Leier und Trompeten vor dem Herrn, dem König! 

Und dann der Hebräerbrief: Gott sprach vielfältig durch die Propheten, „am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn“, den Erben aller Dinge, durch den die Welt erschaffen wurde. Dieser Sohn ist der Abglanz der Herrlichkeit Gottes, der die Reinigung von den Sünden bewirkt hat und zur Rechten sitzt. Die Engel selbst werfen sich vor ihm nieder.

Alles mündet im Johannesevangelium ein, dem Höhepunkt unseres Wortgottesdienstes: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Alles ward durch ihn, in ihm war Leben, das Licht der Menschen. Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Johannes der Täufer kommt als Zeuge, aber das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, ist der Sohn selbst. Er kam in sein Eigentum, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Doch allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden – geboren nicht aus Blut oder Fleisch, sondern aus Gott. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die des eingeborenen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Niemand hat Gott je gesehen; der Einzige, der bei des Vaters Herzen ruht, hat Kunde gebracht.

Wo erkennen wir hier den roten Faden? Die Propheten kündigten an, was heute geschieht: Der König kommt als Kind, der Schöpfer als Geschöpf, der Richter als Erlöser. Weihnachten ist kein romantisches Kindermärchen, sondern die Erfüllung aller Verheißungen. Gott, der ewig in sich selbst redet, spricht nun endgültig durch den Sohn. Vom Alten Bund der Erwartung zur Neuen Bund der Erfüllung – göttlicher und zugleich menschlicher, als die Propheten ahnen konnten. Das Wort, das die Welt schuf, wird Fleisch in der Kälte einer Höhle, in der Armut eines Stalles. Es ist das admirabile commercium, der wunderbare Austausch: Christus nimmt unsere Menschheit an, damit wir Anteil an seiner Gottheit haben.

 

Sind wir nicht in ähnlichen Situationen wie die Hirten? Der Alltag ist oftmals dunkel – Krankheit, Einsamkeit, Konflikte in der Familie, die Last der Krisen in unserer Welt, Kriegsbedrohung, Umweltkatastrophen. Doch plötzlich leuchtet ein Licht auf: Das wahre Licht, das jeden erleuchtet. Nicht wie die Lichter der Winterfeste der Heiden, die vergehen, sondern das ewige Licht Christi, das die Finsternis nicht ergreift. Wie in der Osterwache strahlt das Licht der Mitternacht – denn Inkarnation und Auferstehung sind eins: Der Sohn kommt, um zu erlösen, zu versöhnen, uns zu Kindern Gottes zu machen.

Wie berührt das unser Leben heute?

Liebe Schwestern und Brüder, Weihnachten ist kein Ereignis der Vergangenheit. Die Liturgie ruft es uns zu: „Heute“strahlt das Licht, „heute“ ist der Sohn geboren. In der Eucharistie wird das Mysterium gegenwärtig: Unter den Gestalten von Brot und Wein liegt dasselbe Kind, das die Hirten sahen. „Mit den Augen des Glaubens müssen wir den gleichen Christus erkennen, der heute unter den Gestalten von Brot und Wein geboren wird.“ Das ist der wunderbare Austausch: Unsere irdischen Gaben werden göttlich, wir erhalten Anteil an seiner Gottheit.

Wir wollen um den Glauben und die tiefe Freude beten, dass wir Menschen sind, die ihn aufnehmen, und damit zu Kindern Gottes werden. 

Vor dem Kind in der Krippe muss man niederknien, um es anzubeten und alle Gnade und Segen von ihm geschenkt zu bekommen. 

Amen.