Bitte unterstützen Sie unsere Freunde in Bhogolu! AT92 2024 1050 2552 9834    Konto.png 

4. Adventsonntag A – 21. Dezember 2025

Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer der größten Entscheidungen Ihres Lebens. Alles scheint gegen Sie zu sprechen: Gerüchte, Zweifel, die Angst vor dem Urteil der anderen. Genau so ergeht es Josef in diesen Tagen vor Weihnachten. Er, ein gerechter Mann, ein Zimmermann aus Nazareth, der Sohn Davids, findet sich in einer Situation wieder, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellt: Maria, seine Verlobte, ist schwanger – und er weiß nicht, wie das geschehen konnte. Heute, am vierten Adventsonntag, laden uns die Lesungen ein, in dieses Geheimnis einzutauchen: Gott kommt zu uns, nicht auf dramatische Weise, sondern durch einfache Menschen, die ja sagen. Die Liturgie rückt nun ganz nah ans Weihnachtsgeheimnis heran, weg von den Rufe zur Umkehr hin zu den Ereignissen um Jesu Geburt.

In der ersten Lesung hören wir von König Ahas, der vor einer unmöglichen Lage steht: Feinde bedrohen Juda, und Gott bietet ihm ein Zeichen an – so groß wie er will, tief wie die Unterwelt oder hoch wie der Himmel. Doch Ahas weigert sich: „Ich will den Herrn nicht versuchen.“ Er tut fromm, aber sein Herz ist verschlossen. Jesaja, der  große Prophet des Advent, ist entrüstet: Genügt es nicht, Menschen zu ermüden? Nun ermüdet ihr auch noch meinen Gott! Und dann kündet er das Wunder an: „Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben – Gott mit uns.“

Dieses Wort ist kein ferner Traum. Es hallt durch die Jahrhunderte bis zu uns. In Maria erfüllt sich die Vision des Propheten. 

So erzählt uns das Evangelium: Maria ist schwanger durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef plant, sie still zu entlassen – aus Gerechtigkeit. Hätte er den vermeintlichen Ehebruch öffentlich gemacht, Maria wäre vermutlich gesteinigt worden. Doch Josef wird als »Gerechter« bezeichnet. Er ist dem mosaischen Gesetz gehorsam. Aber er macht das Recht zur Gerechtigkeit, die eng mit der Barmherzigkeit verwandt ist. Nicht zum erbsenzählerischen Legalismus, wie wir am Karfreitag aus dem Mund der Führer des Volkes hören werden: »Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben!« Legalismus paart sich allzu schnell mit Menschenverachtung und Unmenschlichkeit. Er ist das Gegenteil von Gerechtigkeit. Im Traum erscheint dem gerechten Josef der Engel und gibt ihm eine Anweisung, die er nur aufgrund seiner Gerechtigkeit richtig deuten kann. Josef wacht auf – und gehorcht. Kein langes Fragen, kein Wenn und Aber. Er nimmt Maria zu sich. Hier verschmelzen die Fäden: Die Prophetenverheißung wird Fleisch in der Jungfrau Maria, durch den Gehorsam Josefs, den Sohn Davids.  Es ist nicht nur eine Anrede an Josef, dass er vom Engel Sohn Davids genannt wird. Das große Königsgeschlecht des David musste über tausend Jahren langsam herabsteigen, bis zu diesem Zimmermann Josef, sozial irgendwo am unteren Ende des Mittelstandes angesiedelt, mit einem Handwerksberuf, der zu viel war, um zu verhungern, aber zu wenig, um reich zu werden. Auf dieser Geschichtslinie schreibt Gott Heilsgeschichte. Er schreibt sie weiter, in seiner Kirche, mit konkreten Menschen. Heute mit uns. 

In unserer Zeit, voller Unsicherheit – Kriege, Einsamkeit, der Verlust von Werten – kommt Gott nicht mit Feuerwerk, sondern als hilfloses Kind. Wie die Hirten in Bethlehem sollten wir sein, die einfach hingehen. Oder die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern folgen. Gott tritt in unsere Geschichten ein, wo wir am wenigsten rechnen.

Papst Johannes Paul II. mahnte uns in der Adventsliturgie: Die Kirche bietet uns „Führer“ wie Maria und Josef, um den göttlichen Gast willkommen zu heißen. „O Immanuel, Gott mit uns!“ – das ist unser Ruf, der alle O-Antiphonen zusammenfasst. Und der Katechismus erinnert: Jesus ist der Sohn Davids, der durch Gehorsam des Glaubens kommt.

Was bedeutet das für uns heute? Advent ist keine bloße Wartezeit, sondern Vorbereitung des Herzens. Gott will bei uns wohnen – in unseren Häusern, an unseren Tischen, in unseren Nöten.

In einer Welt, die Zweifel sät wie bei Ahas, sind wir gerufen, Ja zu sagen wie Josef. Besonders jetzt, da Weihnachten vor der Tür steht: Bauen wir keine Mauern aus Angst, sondern öffnen wir Türen des Vertrauens.

Die Lesungen dieses vierten Adventsonntags weben ein Band von Jesajas Verheißung über Josefs Gehorsam bis zum Immanuel – Gott mit uns. Ahas weigerte sich, Josef gehorchte; wir sind gerufen mit reinem Herz Gott zu suchen. In dieser Adventzeit, so nah am Heiligen Abend, wollen wir vorbereitet sein. 

Danken wir dem Herrn für seinen Ratschluss, mit konkreten Menschen Heilsgeschichte zu schreiben. Danken wir für Maria und Josef, die uns Vorbild in ihrem Glaubensgehorsam sind. Und bitten wir den Herrn, dass wir zu Weihnachten seine Nähe spüren, seine Liebe in die Welt tragen und unseren Mitmenschen Hoffnung schenken können. 

Amen.