Hochfest der Gottesmutter Maria - 1. Jänner 2026
Wir stehen am Rand eines neuen Weges, das vergangene Jahr liegt hinter uns wie ein Buch, das nun zugeklappt wird. Vor uns öffnet sich ein neues Buch mit noch leeren Seiten, voller Möglichkeiten. Es können dunkle Ereignisse und Geschichten auf diese Seiten geschrieben werden – oder lichtreiche Momente voller Segen, Frieden und Hoffnung. Genau hier, in diesem Übergang. während wir das eine Buch schließen, um das andere zu öffnen, ruft uns die Kirche: Schaut auf Maria, die Mutter Gottes! Sie, die den Erlöser in ihrem Schoß trug, ist der Schlüssel zu Gottes Segen für uns alle.
Die erste Lesung aus dem Buch Numeri gibt uns den uralten priesterlichen Segen wider. „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden“. Dieser Segen ist kein leerer Wunsch – Gott selbst spricht ihn durch Aaron und seine Söhne über Israel. Er ist ein Versprechen von Schutz, Gnade und Frieden, das die Völker erfreuen soll.
Auch der Psalm lässt uns singen: „Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten“. Die Erde soll Frucht bringen, alle Enden der Erde Gott fürchten – ein Segen, der über Grenzen hinauswirkt.
Dann die zweite Lesung aus dem Galaterbrief: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,4-5). Hier geschieht der Durchbruch! Christus, geboren von einer Frau – das ist Maria! – erlöst uns aus der Knechtschaft des Gesetzes. Er schenkt uns den Geist, der in unseren Herzen ruft: „Abba, Vater!“ Wir sind keine Sklaven mehr, sondern Söhne und Töchter, Erben Gottes. Paulus malt das Bild einer Fülle der Zeit, in der der Kelch der Geschichte überläuft und göttliche Gnade hereinbricht.
Das Evangelium nach Lukas bringt alles zusammen: Die Hirten eilen nach Betlehem, finden Maria und Josef und das Kind in der Krippe. Sie erzählen staunend von dem Wort der Engel. „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“. Am achten Tag wird das Kind beschnitten und erhält den Namen Jesus – „Jahwe rettet“ –, wie der Engel es vor der Empfängnis verkündet hatte. Hier tritt Jesus in den Bund ein, und Maria, die Theotokos, Gottesmutter, steht im Zentrum. Sie ist nicht Zuschauerin, sondern die Frau, durch die Gott Mensch wird. Die Hirten kehren lobend zurück, das Volk staunt – und Maria bewahrt und erwägt. Sie hat dem Heil durch ihre Annahme des göttlichen Willens eine Tür geöffnet Gottes Angesicht leuchtet nicht mehr nur über Israel, sondern über die Welt durch ihr Ja.
Der priesterliche Segen des Alten Bundes wird in Maria erfüllt. Sie ist die neue Eva, die mitwirkt an Christi Erlösung. Papst Benedikt XVI. sagte: „Der Titel 'Mutter Gottes' ist der älteste, auf dem alle anderen beruhen.“ Am 1. Jänner, dem Oktavtag von Weihnachten, feiern wir nicht nur den Namen Jesu, sondern Marias göttliche Mutterschaft – Theotokos –, die uns alle in die Sohnschaft einführt.
Während die anderen über die Worte der Hirten staunen, bewahrt Maria alles in ihrem Herzen. Wie eine Schatztruhe sammelt sie Perlen: Die Verkündigung, die Geburt, die Hirtenbotschaft. Papst Franziskus beschreibt sie so: „Maria ist, was Gott mit seiner Kirche will: eine Mutter, zart und demütig, arm an Gütern, reich an Liebe.“ Denken Sie an die Geschichte aus Ephesus im 5. Jahrhundert: Als die Bischöfe zusammenkommen, um Marias Titel als Mutter Gottes zu verkünden, stürmt das Volk mit Stöcken vor der Basilika und ruft: „Theotokos! Mutter Gottes!“ Die Gläubigen wussten: Ohne sie kein Erlöser!
In unserer Zeit, wo Frauen oft entweiht werden – geschlagen, ausgebeutet, ihre Mutterschaft verhöhnt –, ist Maria das Gegenbild: Ihr Leib brachte den Heiland hervor. Jede Gewalt gegen eine Frau ist eine Gotteslästerung, sagt Papst Franziskus, denn „aus dem Leib einer Frau kam die Erlösung“.
An diesem Neujahrstag laden uns die Lesungen ein, neu zu beginnen unter Marias Blick. Der Segen aus Numeri gilt uns allen: Gott behütet uns in unseren Aufgaben, im Job, in der Familie, in allen Sorgen, die uns das Herz schwer machen. Sein Angesicht leuchtet über unsere Krankheit, unsere Einsamkeit – durch Maria! Sie, die Jesus gebar, macht uns zu Gottes Kindern. In einer Welt voller Stress, wo wir wie Sklaven des Kalenders leben, ruft der Geist in uns: „Abba!“ – Papa! Maria will unsre Herzen öffnen für diese Freiheit.
Fassen wir für dieses Neue Jahr keine großen Vorsätze, die schon bald in Vergessenheit geraten. Stellen wir dieses Jahr einfach unter Gottes Segen und Mariens Schutz. Rufen wir sie, die Muttergottes, die Theotokos, im Gebet zu Hilfe, wenn uns die Ecken und Kanten des Lebens blutig ritzen. Segnen wir unsere Mitmenschen, jene, die uns am Herzen liegen – und noch mehr jene, die uns sprichwörtlich „im Magen liegen“.
Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten – Es soll ein Jahr des Herrn, ein gesegnetes Jahr werden.
Amen.