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2. Sonntag im Jahreskreis A – 18. Januar 2026

 (Gehalten bei der Jugendmesse in Schwertberg)

„Bin ich ein Wegweiser für Jesus?“ – Unter dieses Leitmotiv habt ihr den heutigen Abend gestellt. 

Da kommt mir spontan Antworten in den Sinn. „Lieber nicht!“

Denn ein Wegweiser hat einerseits eine kostbare Aufgabe. Er steht an den Weggabelungen, an den Kreuzungen unserer Erde, um den Menschen zu zeigen, wo es weiter geht, wo der richtige Weg ist. 

ABER: Er STEHT dort. Er selber kommt nicht vom Fleck! Und das ist zugleich der große Nachteil des Wegweisers! Deshalb: „Lieber nicht!“ Denn der Wegweiser erfährt selbst keine Entwicklung. Mit der Zeit arbeitet die Witterung an seinen Schildern, die Buchstaben verblassen und werden unlesbar. Mit der Zeit kann der Wegweiser seine Aufgabe nicht mehr erfüllen und bleibt als verwitterter Stecken an der Straßenkreuzung stehen… 

Besser wäre, ein „Missionar für Jesus“ zu sein. Einer, der andere zu Jesus hinführen kann, aber auch selbst den Weg geht, ja den Weg sogar vorangeht. 

Die Texte dieses 2. Sonntags im Jahreskreis legen uns dies nahe!

 

Seht, das Lamm Gottes! Diese Worte von Johannes dem Täufer hallen heute durch unsere Kirche – und direkt in euer Herz. Stellt euch vor, ihr steht am Jordan, seht Jesus kommen, und plötzlich wisst ihr: Das ist er! Der, der alles verändert! Heute, am 2. Sonntag im Jahreskreis, ruft uns Gott genau dazu: Seid wie Johannes – erkennt Jesus und werdet selbst zu seinem Licht für die Welt!

Die Lesungen zeigen uns, wie Gott uns beruft, nicht nur für uns selbst, sondern für alle Nationen. Wir wollen uns vom Heiligen Geist hineinziehen lassen in dieses Abenteuer eurer Berufung!

 

In der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja hört der Gottesknecht die Stimme Gottes: „Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.“ Gott formt ihn schon im Mutterleib, nicht nur um Israel zu sammeln, sondern „zum Licht der Nationen“ zu machen. Es ist zu wenig, nur die eigenen Leute zu retten – Gottes Plan reicht bis ans Ende der Erde!  Das ist keine ferne Prophezeiung, das ist eure Geschichte! Gott hat euch geformt, um seine Herrlichkeit zu zeigen. Wir dürfen alle „Gottesknechte“ sein. Meine Generation ebenso wie all jene, die davor und danach kommen. Und als LICHT FÜR DIE NATIONEN wirken zu können, bedeutet auch, seinen eigenen „geschützten Raum“ zu verlassen. Mission geschieht nicht, wenn wir bei kirchlichen Gremien darüber reden. Noch schlimmer, wenn wir klagen, wie der Messbesuch immer weniger wird, wie die Katholikenzahl im Land abnimmt. Der Salzburger Erzbischof hat einmal gesagt: „Ein Bischof darf nicht klagen!“ Und ein wenig leiser hat er mit einem Schmunzeln angefügt: „Aber seufzen darf er“. 

Diese Seufzer sind uns erlaubt, und müssen Anstoß sein, in unsere oftmals müde gewordenen Gemeinden, in das Konsumchristentum des Abendlandes, wieder einen neuen Schwung zu bringen. 

Ich habe auf einer Indienreise in den letzten Jahren – ich liebe dieses Land und seine Menschen, dort kann ich auch immer meine „katholischen Batterien wieder aufladen“ – einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe einen Pfarrer gefragt, wieviel Kirchenbesuch er denn habe. Er hat verwundert zurück gefragt, was ich denn meine, weil er die Frage nicht verstanden hat. Also habe ich mich noch weiter in die Peinlichkeit reingeritten und gefragt, wieviel Prozent seiner Gemeinde am Sonntag in die Messe gehen. Er hat den Kopf geschüttelt, über die Frage gelacht und gesagt: Na alle! 100%! Außer jemand ist schwer krank und kann nicht mehr, oder eine Mutter bekommt gerade ihr Kind. 

Und ich durfte das selbst erleben, wie Alt und Jung, Männer und Frauen, Mütter mit ihren kleinen Kindern zum Sonntagsgottesdienst kamen, die Bibel unterm Arm, und der Priester hat mit ihnen eine Dialogpredigt gehalten, länger als bei uns normalerweise der ganze Gottesdienst dauert … 

Dazu braucht es Priester und Laien, die ein missionarisches Herz haben! Keine Gremien mit halbherzigen Entscheidungen, sondern Menschen, die aufstehen und hinausgehen, die eine Botschaft im Herzen tragen, weil sie eine Hoffnung im Herzen tragen. Und diese Hoffnung ist nichts Abstraktes. Diese Hoffnung ist eine Person: Jesus Christus!

 

Paulus schreibt in der zweiten Lesung: „Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu... an die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen.“ Er grüßt nicht irgendwen, sondern euch – die Berufenen, die Heiligen! Paulus wusste: Jeder ist gerufen, überall, wo der Name Jesu angerufen wird.

 

Und dann das Evangelium: Johannes der Täufer sieht Jesus und ruft: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ Drei starke Aussagen: Jesus ist das Opferlamm, der Geist ruht auf ihm wie eine Taube, und er ist der Sohn Gottes. Johannes kannte ihn nicht wirklich, aber Gott flüsterte ihm zu: „Auf wen der Geist kommt und bleibt – der ist es!“ Und Johannes bezeugt es: „Ich habe es gesehen und bezeugt.“ Jesus erfüllt genau die Gestalt des Gottesknechts aus Jesaja – unschuldiges Lamm, Licht für alle, Sohn Gottes. Der Ruf vor dem Evangelium ergänzt: „Das Wort ist Fleisch geworden... Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“

 

Diese Texte verbinden sich wie ein roter Faden: Gott beruft, Jesus erfüllt, wir bezeugen. Ihr, die ihr hier versammelt seid in Schwertberg, seid der nächste Schritt in dieser Kette!

So darf der Anfang sein, dass wir Wegweiser für Jesus sind. Aber Wegweiser, die sich selbst entwurzeln, weitergehen auch im eigenen Glauben, in der eigenen Hoffnung. Wegweiser sozusagen, die sich selbst renovieren, die Schrift, die langsam verblasst, wieder auffrischen, selbst kontrollieren, ob die Pfeile noch in die richtige Richtung zeigen, und jenen, die glauben, einen Weg ohne Jesus und seine Kirche gehen zu können, NACHLAUFEN, und mit diesen den richtigen Weg einschlagen. 

 

Gerne denke ich an den Weltjugendtag 1993 zurück, wo wir mit Papst Johannes Paul II. in Denver waren. „Habt keine Angst“, hat der heilige Johannes Paul da den knapp 2 Millionen Jugendlichen entgegen gerufen. Und wir wissen, wie diese Gegenwart des Herrn, die uns Papst Johannes Paul nahe gebracht hat, in so manchen den Ruf zum Priestertum und Ordensleben geweckt hat. 

Oder denkt an Papst Franziskus in seinem Schreiben an die Jugend. Es trägt den Titel „Christus vivit“: „Christus ist lebendig! Er ist unsere Hoffnung und bringt auf wunderbare Weise Jugend in unsere Welt.“ Alles, was er berührt, wird jung, neu, voller Leben! 

 

Erinnert euch an Maximilian Kolbe, den heiligen Minoriten in Polen. Als er als junger Mann in Krakau in den Orden eintrat, sagte sein Oberer: „Jetzt brauchen wir nur noch eine Kanone, dass es hier im Kloster noch lauter wird.“ Doch dann opferte sich Maximilian Kolbe im Konzentrationslager für einen Familienvater – Er war Licht in der dunkelsten Nacht. Oder Damien de Veuster bei den Aussätzigen: Er wurde Vater für die Vergessenen. Ebenso die selige Schwester Restituta Kafka, die in der dunkelsten Zeit des Naziregimes ein Licht der Hoffnung für die Spitalspatienten war. Sie weigerte sich, die Kreuze aus den Spitalszimmern zu entfernen, mehr noch, sie hängte sogar neue auf! Weil Sie den Kranken den Blick auf den Heiland Jesus Christus ermöglichen wollte, auf die letzte Hoffnung in der ausweglosesten Situation. Wahrlich keine „fromme Nonne“. Wenn ihr das Essen bei den Schwestern nicht schmeckte, schlich sie sich in das Stockwerk der Privatpatienten und nahm sich dort eine Portion. Und nach komplizierten Augenoperationen, wo sie als OP-Schwester assistierte, gönnte sie sich ein Gulasch und ein Bier bei einer befreundeten Wirtin! Doch durch ihr Tun, vor allem auch durch ihre Zeit in der Todeszelle, wo sie für andere noch zum Hoffnungslicht wurde, konnte sie knapp vor ihrer Hinrichtung bezeugen: „Für Christus habe ich gelebt, für Christus will ich sterben, werde ich sterben“. Das sind keine „alten Helden“, keine Geschichten aus längst vergangenen Zeiten – das sind Vorbilder für euch! Viele könnten wir hier noch aufzählen, junge Leute wie Carlo Acutis oder Janos Brenner. 

In eurer Welt, mitten in der Klimakrise, im Social-Media-Druck, in der Unsicherheit über die Zukunft dürft ihr heute den Ruf neu hören: Seid wie Johannes der Täufer! Seht Jesus kommen und ruft: „Seht, das ist er! Seht das Lamm Gottes!“ – Damit wir immer neu daran erinnert werden, wie wir selbst Jesus in unserer Gegenwart erkennen sollen, hat die Liturgie diesen Satz des Johannes des Täufers aufgenommen. Wenn der Priester die Hostie zeigt, wenn Jesus in unserer Mitte im Brot des Lebens und im Kelch des Heiles für uns ganz da, gegenwärtig ist. 

 

Oder nehmt die Worte von Benedikt XVI. an die Jugend in einer römischen Pfarrei: „Die Kirche erwartet viel von eurem Enthusiasmus, eurer Fähigkeit, vorauszublicken, eurem Radikalismus in den Entscheidungen des Lebens.“ Kein langweiliges Warten – pure Action für Christus!

 

Passt das zu eurem Alltag? Ja – und wie!

Euer Leben ist kein Kloster, sondern Schule, Ausbildung, ja auch Partys, Beziehungen. Aber genau da ruft Gott: „Es ist zu wenig, nur deine Stämme aufzurichten – werde Licht für die Nationen!“ In der Schule, wenn jemand gemobbt wird: Sprecht ein Wort erhebt eure Stimme, steht für euren Mitschüler ein. Auf Instagram: Teilt nicht nur Selfies, sondern „Jesus-Momente“, die Hoffnung geben. Der Geist ist auf Jesus herabgekommen und geblieben – lasst ihn auch auf euch bleiben! Bittet immer neu um den Heiligen Geist, der uns in der Taufe und Firmung geschenkt wird. Und denkt daran, wie schon ganz am Anfang der Heiligen Schrift der Geist Gottes über den Wassern schwebte. Auch hier ein Wort, das den Heiligen Geist wie einen Vogel beschreibt, der beschützend und segnend über der Urflut war. Der Bogen schließt sich zur Taufe Jesu, zum Hl. Geist, der in Gestalt einer Taube auf Jesus herabkam. Auch wenn wir bei Taufe und Firmung nicht so spektakuläre Erscheinungen des Hl. Geistes erleben, es ist die Geistsalbung, die uns da geschenkt wird. 

 

Denkt an die Korinther: Paulus nennt sie „berufene Heilige“ – trotz ihrer Probleme mit Streit und Sünde. Ihr seid heilig in Christus, berufen überall, wo ihr hingeht. In einer Welt, die sagt: „Sei du selbst, egal wie“, sagt Gott: „Sei mein Licht!“ Kein Druck, perfekt zu sein – nehmt Jesus auf, und er gibt euch Macht, Kinder Gottes zu sein. Eure Berufung? Nicht immer Priester oder Nonne – vielleicht Influencer für Christus wie ein Carlo Acutis, vielleicht ein Freund, der zuhört, vielleicht wie Schüler, der seine Freude, Christ zu sein, mit anderen teilt. Eben „Wegweiser für Jesus“, wie ihr euch heute als Motto für diesen Abend gewählt habt, und noch mehr darüber hinaus: „Missionar für Jesus“, der nicht wie der Wegweiser auf einer Stelle stehen bleibt, sondern der sich von Jesus formen und führen lässt. 

Hört den Ruf! Heute nach der Messe, wenn ihr wieder daheim seid: Nehmt euch 5 Minuten, schaut in den Spiegel und sagt: „Gott, du hast mich geformt – wo soll ich leuchten?“ Sprecht mit einem Freund über Jesus, wie Johannes bezeugte. Geht zur Beichte – lasst eure Sünde wegnehmen, um mit neuer Frische und Freiheit den Weg zu gehen. 

Seid wachsam, wie Jesus mahnt: Fragt täglich: „Herr, was willst du, dass ich tue?“ – So hat der Heilige Franziskus von Assisi seine Lebensberufung gefunden! In Familie, Freundeskreis, Schule, Stadt oder Dorfgemeinde – macht euch zu Licht und Salz! Plant eine Jugendaktion: Besucht Alte, helft Flüchtlingen – zeigt, dass Gottes Heil bis ans Ende reicht.

 

Liebe Jugendliche, ihr seid die Hoffnung der Kirche und der Welt! Jesaja, Paulus, Johannes – sie zeigen: Gott beruft euch, Jesus erfüllt es, ihr zeugt davon. Christus lebt – und er will, dass ihr lebt! Geht hinaus, seht ihn kommen an jedem Tag, und bezeugt es vor jenen, die noch blind dafür sind: „Seht, das Lamm Gottes!“

 

Amen.