3. Sonntag im Jahreskreis A – 25. Januar 2026
Die Texte dieser Sonntage in der Zeit zwischen dem Fest der Taufe des Herrn und dem Fest „Darstellung des Herrn“ am 2. Februar lassen noch ein wenig die liturgische Weihnachtszeit vor der Liturgiereform aufleuchten, die eben bis zum 2. Februar ging. So werden uns immer wieder Bibelstellen geschenkt, die auf dieses Geheimnis der Geburt Jesu, seines Wirkens, das den Menschen Heil, Hoffnung und Frieden bringt, hinweisen.
Die letzten, eisigen Tagen lassen uns gut unsere Phantasie laufen. Stellen Sie sich vor, sie wandern durch eine dunkle Winternacht, vielleicht nach einer Autopanne, irgendwo auf einer Waldstraße.
Der Schnee knirscht unter Ihren Füßen, der Wind heult, und vor Ihnen liegt nur undurchdringliche Finsternis. Plötzlich flammt ein Licht auf – eine Laterne, ein Scheinwerfer, ein Feuer, das Licht aus dem Fenster eines Hauses – und alles verändert sich. Der Weg wird sichtbar, die Angst weicht der Hoffnung. So beginnt unsere heutige Lesung aus dem Propheten Jesaja:
„Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.“
Heute, am 3. Sonntag im Jahreskreis, hören wir diese Worte – und sie werden lebendig im Evangelium. Jesus, das helle Licht, kommt nach Galiläa, dem verachteten Land – oftmals abschätzig „das heidnische Galiläa“ genannt. Jesus, der Herr, ruft einfache Fischer in seine Nachfolge und verkündet: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Das ist auch unser Leitmotiv, zugleich eine große Herausforderung. : Jesus als Licht in unserer Finsternis, der uns ruft, alles zu verlassen und ihm nachzufolgen.
Jesaja spricht von Galiläa – dem Land Sébulon und Náftali, dem „Weg am Meer“, jenseits des Jordan, dem Gebiet der Nationen. Dieses Land im Norden Israels, rund um den See Genezareth, mit Städten wie Nazareth oder Tibérias, im Norden der Libanon, im Süden die Jesre´el-Ebene, war verachtet, ein Randgebiet, bewohnt von Heiden und Vertriebenen nach der assyrischen Invasion. „Wie der Herr in früherer Zeit das Land Sébulon und das Land Náftali verachtet hat, so hat er später den Weg am Meer zu Ehren gebracht.“ Es war ein Ort der Schmach, der Dunkelheit, des Jochs der Unterdrücker. Doch Gott verspricht Wandel: Freude wie bei der Ernte, Jubel wie bei der Beuteverteilung, das drückende Joch zerbrochen wie am Tag von Midian. Das ist messianische Verheißung – Befreiung durch den Gottesknecht.
Und dann das Evangelium nach Matthäus: Jesus hört von Johannes' Gefangenschaft, kehrt nach Galiläa zurück, verlässt Nazaret und wohnt in Kafarnaum – genau im Gebiet von Sébulon und Náftali! Matthäus zitiert Jesaja wörtlich: „Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“ Jesus ist dieses Licht! Er, der Emmanuel, „Gott mit uns“, erfüllt die Prophezeiung. Er predigt nicht in Jerusalem, dem Zentrum, sondern im verachteten Galiläa – bei den Vergessenen, den Heidenländern. Dort ruft er die ersten Jünger: Petrus und Andreas lassen die Netze liegen, Jakobus und Johannes verlassen Boot und Vater. Sofort folgen sie ihm. Und Jesus zieht umher, lehrt, verkündet das Reich Gottes, heilt alle Leiden.
Jesaja malt das Bild der Hoffnung, Matthäus zeigt die Erfüllung. Jesus ist nicht nur Prophet – er ist das Licht, das die Finsternis durchbricht.
Wie Tertullian schreibt: Die Propheten künden den Messias, dessen Name Emmanuel bedeutet, „Gott mit uns“, der in die Dunkelheit kommt. Das Himmelreich naht nicht fern, sondern hier, in Kafarnaum, am See Genezareth.
Viele von uns haben Finsternis in verschiedenster Form durchlebt: Die Nacht der Krankheit, wo Angst vor der Diagnose besteht; die Schatten der Einsamkeit nach dem Verlust eines Liebsten; die Dunkelheit der Arbeitslosigkeit oder bei zerbrochenen Beziehungen. Doch immer wieder können wir auch an die Lichtmomente denken, die uns aus der Depression, der Verzweiflung, der Trauer oder Krankheit herausgeholt haben.
Blicken wir auf die Fischer der Bibel. Sie waren keine Helden, keine Gelehrten – einfache Arbeiter, die Netze flickten, Steuern zahlten. Doch Jesus sah ihr Potenzial: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Wie in Galiläa, dem „heidnischen“ Land, wählt Gott die Kleinen. Jesus sieht auch unser Potenzial, von jedem Einzelnen. Er will jeden von uns einsetzen, dass er als Licht die ganze Welt erleuchten kann.
Wir dürfen uns heute fragen: Wo sitzen wir im Dunkel? In der Hektik des Alltags, wo Gott fern scheint? Im Stress der Familie, wo Streit das Licht verdunkelt? Jesus kommt genau dorthin – in unser Galiläa, unseren Alltag. Er verkündet: „Kehrt um!“ – Metanoia, eine totale Umkehr. Und er ruft: „Kommt her, mir nach!“ Nicht morgen, sondern sofort, wie die Jünger. Lasst Netze liegen: Die Ablenkungen des Smartphones, die Gier nach Mehr, die Bitterkeit.
In Galiläa begann alles am See – damals wie heute ein Symbol des Lebens, der Arbeit. Jesus trifft uns dort, wo wir sind: In Küche, Werkstatt, Schule. Er heilt alle Krankheiten und Leiden – körperlich, seelisch. Das Reich Gottes ist nahe: In der Eucharistie, im Gebet, im Nächstenliebe.
Jesaja prophezeit Licht in Galiläa, Jesus erfüllt es – ruft Jünger, heilt, predigt das Reich. Ihr seid gerufen, sein Licht zu sein! Dieser Ruf ergeht heute an uns.
Amen.