5. Sonntag im Jahreskreis A – 8. 2. 2026
Jesus ruft uns heute herausfordernd zu: „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“ Aber was bedeutet das wirklich? Es sind nicht nur schöne Worte, sondern ein klarer Auftrag, der uns aus der Komfortzone reißt.
Der Prophet Jesaja zeigt uns, wie unser Licht durch echte Nächstenliebe aufbricht, und Jesus macht klar, dass wir wie seine Jünger genau das tun sollen – gute Werke, die Gott verherrlichen.
Jesaja spricht mit scharfer Stimme zu einem Volk, das Gott sucht, aber sein Herz woanders hat. Sie fasten, beten, beklagen sich: „Warum siehst du es nicht, Herr?“ Doch Gott enthüllt: Euer Fasten ist leer, wenn es nicht die Hungrigen speist, die Obdachlosen aufnimmt, die Nackten kleidet und sich nicht vor der eigenen Verwandtschaft versteckt. Es geht Gott um ein wahres Fasten, das sich in Werken der Nächstenliebe zeigt. Kein Ritus um des Ritus willen, keine katholisch verbrämte Schlankheitskur, kein frommes Theater! Stattdessen: „Brich dem Hungrigen dein Brot!“ Das ist das Fasten, das Gott wählt – es löst Ketten der Ungerechtigkeit, richtet den Gebeugten auf, entfernt die böse Nachrede. Und was passiert dann? „Dein Licht wird hervorbrechen wie das Morgenrot, deine Heilung schnell gedeihen. Deine Gerechtigkeit geht voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.“
Blicken wir auf die Zeit, in der dieser Text wohl entstanden ist: Israel ist zurück aus dem Exil, doch soziale Missstände grassieren – Reiche pressen Arme aus, Fasten wird zur Show. Jesaja ruft zur Umkehr der Herzen, die sich in Taten zeigt. Das ist keine bloße Wohltätigkeit, sondern Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sollen vereint werden: Nächstenliebe und Barmherzigkeit speisen den Hungrigen, Gerechtigkeit bricht ungerechte Joche. Und wenn wir in diesen Werken nach Gott rufen, antwortet er: „Hier bin ich!“ – ein Echo der Nähe des Herrn, der uns nie allein lässt.
Jesus greift diesen Faden auf im Evangelium. Nach den Seligpreisungen – selig die Barmherzigen! – wendet er sich direkt an uns: „Ihr seid das Salz der Erde!“ Salz würzt, erhält, reinigt – aber wenn es fade wird, taugt es zu nichts, wird weggeworfen. „Ihr seid das Licht der Welt!“ Eine Stadt auf dem Berg, eine Lampe auf dem Leuchter – nicht versteckt unter dem Scheffel! Jesus malt Bilder aus dem Alltag: Salz im Essen, Licht im Haus. Die Jünger – das sind wir! – sollen nicht verborgen bleiben, sondern leuchten durch gute Taten, damit die Menschen den Vater im Himmel preisen.Die Kirchenväter sehen die Apostel als Licht für die Heiden, Salz für die Gläubigen: Sie bewahren den Glauben, erleuchten die Welt. Kein Eigenlob, sondern Gottes Ehre!
Die Verbindung ist klar: Jesajas Licht bricht auf durch Werke der Liebe; Jesus macht uns zu Trägern dieses Lichts. Ohne Taten verliert unser Glaube seinen Geschmack, erlischt unser Licht.
Eine Anekdote aus Norwegen: Papst Johannes Paul II. zitierte genau diese Worte bei der Messe: „Lasst euer Licht leuchten!“ – vor Tausenden, die in Kälte standen, und rief zur tätigen Liebe auf. In unserer Zeit, mit Kriegen und Klimakrise, hallt das nach: Flüchtlinge aufnehmen, Hungrige speisen – das ist unser Salz in einer faden Welt!
Diese Worte sind kein ferner Ruf, dem wir uns entziehen könnten – sie gelten uns hier und heute! Wo können wir dies verwirklichen. Wo wir – ob über die caritativen Organisationen oder direkt mit den Bedürftigen teilen, wo wir die einsame Nachbarin zu uns einladen, wo wir jemanden zuhören, obwohl er immer das Gleiche erzählt. Wo wir nicht die Augen verschließen vor der Not, die mitten in unseren Gemeinden um sich greift. Dann kann unser Licht vor den Menschen leuchten. – nicht um Applaus, sondern um Gottes Lob.
In der Fastenzeit, wie Papst Franziskus mahnt, meditieren wir Jesaja: Wahres Fasten ist, den Hungrigen zu stärken, den Gebeugten satt zu machen. Unser Licht geht auf im Dunkel – in der Familie, im Job, in der unmittelbaren Nachbarschaft. Seien wir nicht das fade Salz, das zertreten wird! Frischen wir den Geschmack auf durch Gebet, durch die Sakramente wie Beichte, oder Eucharistie. Hier im Haus des Herrn können wir unsere Batterien aufladen. Hier kann das Salz unseres Lebens wieder Geschmack gewinnen, unsere Lampe wieder frisches Öl bekommen.
Amen.