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2. Fastensonntag, 1. März 2026 – Lesejahr A

 

Versetzen wir uns für einen Augenblick in die Situation eines Christen der zweiten oder dritten Generation, 30 oder 40 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung. Das Christentum hat sich fast im ganzen Römischen Reich ausgebreitet, vor allem in den Städten – natürlich im einstelligen Prozentbereich.

Paulus betreut seine Gemeinden durch Briefwechsel seelsorglich, die Mission könnte weitere Fortschritte machen. Aber da gibt es ein Problem; es ist ein Skandal, der wie ein Felsblock auf dem Weg der Ausbreitung des Christentums und des Evangeliums liegt: Es ist das Kreuz! 

Für uns heute ist das Kreuz ein Gegenstand der Verehrung: Wir hängen es auf in unseren Kirchen und teilweise auch in unseren Häusern; am Karfreitag werden wir es wieder feierlich verehren. Es ist für uns zu einem Gegenstand des Schmuckes geworden, an der Goldkette, heutzutage oftmals auch als Ohrschmuck oder Tätowierung. Leider oftmals unbewusst und unbeachtet getragen. Der Bischof trägt das Kreuz auf der Brust zum Zeichen seiner Amtsvollmacht. Es ist ein Gegenstand der Kunst geworden: Es gibt großartige künstlerische Darstellungen des Kreuzes, in jeder Epoche unserer Kunstgeschichte anders.

Ganz anders war das in der Zeit Jesu und in den folgenden Generationen. Wenn die Römer einen Menschen kreuzigten, dann wollten sie ihn nicht nur vom Leben zum Tode befördern – das hätten sie einfacher haben können; nein, der Gekreuzigte sollte seiner Menschenwürde beraubt werden, seine Würde sollte vernichtet und in den Staub getreten werden. 

Mit der Hinrichtung durch Kreuzigung wollte man ausdrücken, dass da ein ganz und gar nichtswürdiger Mensch verurteilt ist, der zum Abschaum der Menschheit gehört. Deshalb wurden die Verurteilten auch nackt gekreuzigt, auch Jesus trugt keinen Lendenschurz, den die Ikonographie schamhaft darstellt. Dem Gekreuzigten wurde auch ein Begräbnis verweigert, er sollte zutiefst gedemütigt werden.

In solcher Situation erhebt sich natürlich eine Frage, die schon den Apostel Paulus immer wieder bewegt hat: Wie können wir erklären, dass die Christen einen gekreuzigten Gott anbeten, wie es Paulus im 1. Korintherbrief zeigt. 

Ein altes Graffito, eine Wandzeichnung, die als antichristliche Karikatur gemacht wurde, zeigt das Problem in aller Schärfe: Da ist ein Kreuz, dargestellt mit einem Gekreuzigten, der einen Eselskopf trägt; darunter kniet ein Mann; der Zeichner kommentiert: „Alexamenos betet seinen Gott an.“

Das Kreuz war damals ein Ausdruck der Entwürdigung, der Demütigung, des totalen Unsinns und der Schande. 

Gott hat aber genau diesen Weg der Schande und der Demütigung gewählt, um sein Volk heimzuholen. Der Gottessohn Jesus Christus geht diesen Weg, er weiß auch um sein Ende, wie wir in der Leidensankündigung an seine Jünger erfahren können. Er wählt diesen Weg, um den Menschen  - und damit uns – letzlich zu zeigen, dass unser Tun und Handeln der eigentliche Grund der Entwürdigung des Menschen ist. Und Jesus möchte uns – in oftmals trostloser Trauer – zeigen, dass Ablehnung, Leiden, Verwerfung, Kreuz und Tod nicht das Letzte sind. Es gibt einen dunklen Tunnel, den Jesus durchschritten hat, die Nacht des Kreuzes. Am Ende aber erscheint die Morgenröte der Auferstehung. Das Kreuz ist von Anfang an in österliches Licht getaucht. 

Dieses österliche Licht der Auferstehung strahlt in besonderer Weise bei der Verklärung des Herrn durch. Mose und Elija sind bei Jesus, sie stehen für das Gesetz und die Propheten, also für das gesamte Alte Testament. Wenn Jesus also nach seiner Leidensankündigung als Verklärter, das heißt als Auferstandener mit Mose und Elija spricht, dann heißt das: Er handelt in völliger Übereinstimmung mit  der Heiligen Schrift und damit mit Gott selbst. Und dies wird noch deutlicher ausgedrückt durch das bestätigende Wort des Vaters selbst: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunde habe, auf ihn sollt ihr hören.

 

Jesus Christus musste durch das Leiden hindurch in seine verklärte, österliche Herrlichkeit eingehen. Dies gilt auch für uns, die wir uns als Jünger Jesu verstehen. Wenn ein Mensch leiden muß, wenn ihn Krankheit quält und ihm den Schlaf raubt, wenn die Tage endlos und quälend langsam dahinzugehen scheinen; wenn er eine schwere Enttäuschung erfahren musste, z.B. die Treulosigkeit von Menschen, Verleumdung oder Verlust seines guten Namens, wenn er im Alter unter Einsamkeit leidet, dann kann er mit Christus diesen Kreuzweg gehen und fest darauf vertrauen, dass am Ende der österliche Sieg auf ihn wartet.

Vor allem aber, wenn es ganz einsam wird um uns Menschen, wenn wir die Nacht des Todes vor uns sehen und den dunklen Tunnel des Todesleidens betreten müssen, wenn wir dann auf Christus, den Leidenden und Gekreuzigten schauen, dann werden auch wir am Ende die österliche Morgenröte schauen dürfen, dann wird auch für uns – wir für Jesus Christus – der Weg des Leidens und des Todes zur Pforte hinein in die Herrlichkeit der Auferstehung.

Amen.