Palmsonntag 2026
Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gottesdienstgemeinde!
Dietrich Bonhoeffer betet kurz vor seinem Tod in der Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches: „Herr Jesus Christus, du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich. Du kennst alle Not der Menschen, du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht. Du vergisst mich nicht und suchst mich.“
Gerade die Schwachen, die „Kleinen“, jene am Rand der Gesellschaft verstehen am besten, was Menschsein über das bisschen Glück und die Freude hinaus noch heißt: Not, Elend, Leid zu tragen und zu ertragen. In jedem Menschenleben wird diese tragische, bittere Geschichte neu geschrieben. Angesichts so manchen Menschenleides, einer unheilbaren Krankheit, des Todes eines jungen Menschen, des Unfalls einer Frau und Mutter Minderjähriger beispielsweise, müssen wir verstummen. Da gibt es keinen anderen Trost aus den Hinweis auf Jesus Christus. Er hat unser Leben geteilt, er wurde in allem uns gleich, sagt die Schrift: jetzt muss es sich zeigen, ob er mit uns wirklich den Weg bis zu Ende geht.
Noch sieht es nach Jubel aus. Wir gehen den Einzug nach Jerusalem nach, wir singen wie damals das Hosianna. Aber der Jubel wird uns allzu bald im Halse stecken bleiben, wenn wir die Leidensgeschichte zu hören bekommen. Aus dem Jubelruf wird schnell der Schrei des Todes.
Bedenken wir an diesem Palmsonntag, was es für Jesus bedeutet hat, uns – allen Menschen – gleich zu sein: Er hat Kinder in seine Arme genommen und sie zum Bild für das kommende Reich Gottes gemacht. Er ist auf Augenhöhe zu den Niedergebeugten gegangen und hat sie aufgerichtet. Er hat die Blindheit der Blinden, die Taubheit der Gehörlosen, die Bewegungsunfähigkeit der Lahmen und die Ausgeschlossenheit der Leprakranken und Sünder mitgetragen und überwunden durch großartige Zeichen. Er hat den Sündern - uns - eine neue Chance gegeben, er hat Gefallenen und Gescheiterten eine neue Zukunft eröffnet. All das, sein Wirken in dieser unserer Welt, wird er durch seinen Tod bestätigen.
Die Frage geht an uns: Wenn Jesus in allem den Menschen gleich geworden ist, sind wir es dann auch? Erfüllen wir unser Menschsein, wie er es gefüllt hat, randvoll, bis in das Sterben hinein?
Es nützt nichts, wenn wir Erinnerungsfest feiern in dieser Woche. Wenn wir in diesen Tagen sein Leben unter uns und seinen Tod für uns feiern, aber daraus keine Konsequenzen ziehen.
Gott selbst hat sich durch Jesus Christus als unser Leben, als unser Lebenspartner erwiesen! Er hat in Christus gelitten, er ist in Christus gestorben. Wie können wir dann sagen: „Er ist uns ferne, er versteht uns nicht, er lässt uns leiden“. Gott ist der Immanuel, der Gott mit uns. Das ist die Botschaft dieser Heiligen Woche!