3. Sonntag der Osterzeit – 19. April 2026
Die Texte dieses dritten Sonntags der Osterzeit führen uns in drei Schritten an den Kern unserer christlichen Existenz heran. Einerseits an die Wirklichkeit des Lebens, der Auferstehung, die bezeugt wird. Ferner an die Realität der Erlösung, die uns ein unverbrüchliches Vertrauen schenken soll, und zuletzt an eine Liebe, die weit über irgendwelche Gefühle hinausgeht und sich im Dienst bewähren muss.
Es ist eine kostbare Entscheidung, dass wir 50 Tage lang Ostern feiern. Denn vom Osterfest wird uns eine Botschaft mitgegeben: Aus der Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen erkennen wir, dass Auferstehung nicht nur ein Trost oder gar nur ein historisches Faktum ist, sondern ein klarer Auftrag für hier und heute.
Wir hören im Evangelium von der erfolglosen Nacht der Jünger. Arbeit, die ohne Frucht bleibt, Mühe, die kein Ergebnis zeigt. »In dieser Nacht fingen sie nichts«, sagt uns Johannes mit einfachen Worten. Aber bei Tagesanbruch ändert sich die Situation für die Apostel grundlegend. Jesus steht da. Sie erkennen ihn zuerst nicht. Der Auferstandene ist nicht sofort erkennbar. Das haben die Jünger auf dem Weg nach Emmaus ebenso erleben müssen. Jesus fragt danach, ob sie etwas zu essen haben. Er lenkt ihr Tun, lässt sie nochmals die Netze auswerfen, und plötzlich wird aus der vergeblichen Arbeit der Nacht und der damit verbundenen Frustration (»frustra« heißt auf Latein ja »vergeblich«) ein neuer Erfolg, zugleich eine Fülle, die sich die Jünger niemals erträumt hätten. Das Netz ist so voll, dass sie es beinahe nicht einholen können, trotzdem zerreißt es nicht.
Jeder wird schon die Erfahrung gemacht haben, dass das geistliche Leben oft auch mit einer »dunklen Nacht« vergleichbar ist. (Johannes vom Kreuz hat seine Gedichte der Seele mit diesem Titel geschrieben). Jeder kennt die Trockenheit, die Müdigkeit, die Zweifel, die inneren Fragen.
Und zugleich sagt uns Ostern: Die Nacht, die Frustration, der Tod haben nicht das letzte Wort. Ostern bringt uns den neuen Morgen, macht Neues möglich. Und weil wir österliche Menschen sein sollen, sind wir dazu aufgerufen, aus der Nacht des Zweifels und der Trockenheit in das helle Licht einzutreten, das uns Christus selbst schenkt.
Auch in der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir von Petrus gehört. Zwar nicht am See, sondern in Jerusalem. Er ist »zusammen mit den Elf« da und erhebt seine Stimme. Er macht keine Spekulationen, er verliert sich nicht in komplizierten theologischen Floskeln oder philosophischem Gerede – er bezeugt eine Person: Jesus von Nazaret, der von Gott mit Machttaten, Wundern und Zeichen beglaubigt wurde. Und er benennt die dramatische Tatsache, dass Jesus nach Gottes Plan »hingegeben« und »ans Kreuz geschlagen« wurde.
Doch die Botschaft des Petrus endet nicht beim Kreuz. Der entscheidende Wendepunkt ist die Auferstehung. Petrus argumentiert in biblischen Linien. Und er bekennt sich selbst als Zeuge für die Auferstehung.
Bemerkenswert ist, wie Petrus nun seine Rede weiterentwickelt. Er spricht vom Heiligen Geist und schlägt somit den Bogen zum Pfingstfest, zum Geburtstag der Kirche. Weil der Geist über die Zeiten hinweg die Kirche belebt, erkennen wir, dass Ostern niemals ein »Damals« ist, sondern ein »Heute«, ein Geschenk, das heute in der Kirche gelebt und bezeugt werden muss.
Der Petrusbrief legt nun diese innere Logik dar. Es geht um die wahre Gottesfurcht. Nicht »Angst«, wie vor dem Hund, der die Zähne fletscht, sondern Ehrfurcht vor dem großen und allmächtigen Gott, einem Gott, der das Herz prüft, der nicht an der Oberfläche bleibt. Einem Gott, der über den Zeiten steht, aber in der Zeit Mensch geworden ist, um uns auf Augenhöhe zu begegnen und unser Schicksal mitzutragen. Einem Gott, der seine Barmherzigkeit bis zum Äußersten erweist.
Im Evangelium sehen wir Petrus am See. Johannes beschreibt, wie die Jünger nach der Auferstehung des Herrn nun in Gefahr sind, wieder nur »Funktion« zu sehen. Sie gehen fischen. Auch unserer Kirche von heute tut es gut, nicht nur auf »Funktion« oder auf das »Funktionieren« zu achten. Es geht um viel mehr. Weil es um Gott selbst geht. Weil er der Handelnde ist, nicht wir.
Die Augen der Liebe erkennen den Herrn am Ufer. »Es ist der Herr«. Dieser Satz des Lieblingsjüngers ist nicht einfach ein Teil der Geschichte, sondern ein entscheidender Wendepunkt. Es ist der »Adonai«, die Bezeichnung, die gläubige Juden für Gott verwenden in der Ehrfurcht vor dem Namen Gottes, den sie nicht auszusprechen wagen. Gott steht am Ufer des Sees, erkennt Johannes. Und auf sein Wort hin wird das Tun der Jünger erfolgreich.
Als sie ans Ufer kommen, hat Jesus bereits das Feuer vorbereitet, Fisch liegt darauf, Brot ist vorhanden. Hätte er also die Jünger gar nicht ein zweites Mal die Netze auswerfen lassen müssen? Gott bedarf der Werke der Menschen nicht, aber er »will uns brauchen«. Er will nicht über uns hinweg oder hinter unserem Rücken handeln. Er baut die Kirche auf den Schultern gebrechlicher Menschen auf. Auf den Schultern des Petrus, der den Herrn dreimal verleugnet hatte, mit den Aposteln als Vorläufer der Bischöfe, die – mit Ausnahme von Johannes – davonliefen, als Jesus verhaftet und ans Kreuz geschlagen wurde. Und er baut sie heute auf. Auf Menschen mit ihren Zweifeln und Fehlern, mit ihren »dunklen Nächten« und Frustrationen.
Eines aber ist wichtig: Jesus gründet eine Kirche, die aus der Gemeinschaft mit ihm ihre Kraft schöpft. »Kommt und esst«, sagt er. Wenn wir die Gemeinschaft mit ihm als Zentrum und Kraftquelle unseres kirchlichen Lebens wahrnehmen – und nicht eine blindwütige Nabelschau, gruppendynamische Kinderspielchen und weltliche Strukturreformen – dann kann die Osterbotschaft ihre Kraft entfalten. Und Menschen werden nicht nur Trost aus einem historischen Ereignis schöpfen, sondern hier und heute mit der Freude der Auferstehung und dem Willen, diese Botschaft weiterzugeben, erfüllt sein.
Amen.