Christi Himmelfahrt, 14. Mai 2026
»Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.«
So einfach haben wir es mit diesem Tag nicht. Natürlich können wir große Theologien anknüpfen. »Wenn da einer – Jesus – mit seinem Leib in den Himmel auffährt, wenn also ein Mensch in die Sphäre Gottes kommt, dann ist dies auch der Weg für uns.«
Aber sind wir davon überzeugt? Könnte es nicht sein, dass die Auferstehung Jesu, ja seine Himmelfahrt, ein einmaliges Ereignis auf dieser Welt war? Wer gibt uns eine Garantie dafür, dass dies auch mit uns geschehen soll?
Auch die Jünger standen ratlos da.
Die beiden weiß gekleideten Männer mussten sie aus ihrer Ratlosigkeit reißen. Nicht indem sie ihnen alles erklärten, denn das wäre für uns Menschen auch nicht möglich.
»Ihr Männer von Galiläa,
was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?«
Auch wir stehen ratlos vor diesem Geheimnis von Auferstehung und Himmelfahrt. Deshalb bekennen wir ja im Glaubensbekenntnis: »Ich glaube an die Auferstehung der Toten« – Ich vertraue darauf. Nicht: »Ich weiß es, mir ist es bewiesen worden!«
Der heutige Tag birgt aber noch mehr offene Fragen in sich. »Wo ist der Himmel?«, fragen gerne Kinder. Und – zugegeben – wir alle sind versucht, kurz nach oben zu schauen, wenn wir Himmel meinen. Doch unsere Wissenschaft, ja die einfachsten Flugzeuge haben schon bewiesen, dass der blaue Himmel nur von hier herunten so blau ist. Dass er immer schwärzer wird, weil er in die ewige Nacht des Weltalls übergeht.
Wo also ist Jesus hingekommen? »Hinauf?« »In den Himmel?«. Er selbst sagt: »Ich gehe hinauf zu meinem Vater!« Nicht ins Weltall, sondern dorthin, wo Gott ist!
Dass dies kein Ort ist, haben wir ja in der Theologie immer wieder gelernt. Als ein Theologiestudent die Kühnheit hatte, vom Fegefeuer, dem Purgatorium als »Läuterungsort« zu sprechen, antwortete der Professor erbost: »Das ist doch kein Ort, sondern ein Zustand!« »Ach so, war der Herr Professor schon dort?«, war die noch kühnere Antwort des Studenten.
Ist der »Himmel«, in den Jesus aufgefahren ist, oben? Fragen wir anders: Hat es für uns eine Bedeutung, wo der Himmel ist? Wäre es nicht viel wichtiger, das Bewusstsein in uns zu wecken, dass es diesen Himmel gibt? Dass es diese andere Welt gibt, wo wir unsere Verstorbenen erhoffen, wo wir auch hoffen, sie einst wiederzusehen. Dass es diese Gemeinschaft bei Gott gibt, die für uns so weit weg und wo unvorstellbar ist, dass wir sie eben im Credo in dem lapidaren Satz zusammenfassen: »Ich glaube an die Auferstehung«?
Gott ist überall, er ist allgegenwärtig, so haben wir dies bereits in der Schule gelernt. Das stimmt, aber wir Menschen sind oft nicht in der Lage, dies wahrzunehmen, sonst wäre doch unsere Handlungsweise in vielen Situationen eine ganz andere!
So dürfen wir an diesem Fest der Himmelfahrt unseres Herrn getrost eingestehen, dass wir Menschen nicht alles wissen können, vielleicht nicht alles wissen dürfen, weil wir den vollen Umfang der Wahrheit Gottes gar nicht ertragen würden.
Aber wir können glaubend bekennen, weil dies unserem tiefsten Lebenswillen entspricht, weil es unserer Hoffnung entspricht, dass unsere Toten nicht verloren sind, weil es unserem Herzen entspricht, die nicht zulassen will, dass unsere Verstorbenen in die Vergessenheit der Zeiten gefallen sind, wir können glaubend bekennen, dass es eine Auferstehung, ein Leben gibt. Und dass dieses Leben bei Gott stattfindet, wenn wir bereit sind, ihn als unser Leben anzunehmen.
Jesus ist den Weg vorausgegangen. Egal, ob wir heute nach oben oder unten, nach links oder rechts schauen. Himmel ist dort, wo Gott ist, wo er die Seinen in ein Leben führt, das wir uns in unseren schönsten Träumen nicht ausmalen können.
Amen.