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Pfingsten, 24. Mai 2025

Zu Pfingsten feiern wir kein Erinnerungsfest. Auch wenn wir an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger, auf die selige Jungfrau Maria und die mit ihnen versammelten Männer und Frauen denken. Wir feiern nicht nur ein Ereignis vor langer Zeit, sondern eine Gottesgabe, die bis heute wirkt: Der Heilige Geist macht die verschlossenen Herzen offen, schenkt Einheit statt Sprachverwirrung und treibt die Kirche hinaus zur Mission. 

Es ist eine Grunderfahrung des Menschen: Nach Enttäuschungen zieht man sich zurück. Nach Kränkungen oder Verletzungen wird das Herz vorsichtig, auch verschlossen. Und manchmal stehen uns in unserem Inneren verschlossene Türen im Weg: Misstrauen, Müdigkeit, Gleichgültigkeit, der Eindruck: »Da kann ich nichts mehr ändern.«

Die Botschaft von Pfingsten sagt etwas ganz anderes. Pfingsten beginnt zwar in einem Raum – aber der Raum bleibt nicht geschlossen. Der heilige Geist kommt mit einer Kraft, die befreit: Er überwindet Furcht, schenkt Mut und macht aus Menschen, die sich aus Angst verstecken, mutige Zeugen, die das Wort Gottes verkünden. 

Pfingsten ist im Kern die Erfüllung der Verheißung Christi. Der Heilige Geist ist nicht irgendeine »gute Stimmung«, sondern eine göttliche Person, die die Kirche heiligt und über die Zeiten führt. Der Geist führt in die Zeit der Gegenwart Gottes, in der das Reich schon da ist, aber noch zu seiner Vollendung unterwegs bleibt. 

Das Evangelium des heutigen Pfingstsonntags führt uns nochmals auf den Ostertag zurück. Jesus tritt mitten in eine verängstigte Gemeinschaft hinein, schenkt »Frieden«, und verbindet diesen Frieden direkt mit der Sendung der Jünger. Dann heißt es: »Empfangt den Heiligen Geist.« Der Geist ist also nicht die Belohnung für bereits fertige Menschen, sondern die Quelle, damit Menschen überhaupt verkündigen, vergeben und dienen können. Mit der Gabe des Heiligen Geistes wird den Aposteln – und damit allen Bischöfen und Priestern – die Vollmacht zur Sündenvergebung im Bußsakrament geschenkt. Und zugleich ist es der Auftrag an uns alle, in unserem Leben Vergebung zu üben und zu erbitten. 

Pfingsten ist außerdem das Gegenbild zum Turmbau von Babel. Dort verwirrt Gott die Sprache, weil der Mensch sich selbst zum Ziel macht und Einheit nur als Machtprojekt versteht. Dort endet das verkehrte Tun des Menschen als Zerstreuung und Verwirrung. 

Pfingsten dagegen schafft Einheit, indem es Verstehen schenkt: Menschen aus verschiedenen Ländern hören – jeder in seiner Sprache – »Gottes Taten«. Das ist nicht bloß ein akustisches Wunder, sondern ein Zeichen: Der Geist öffnet Grenzen. Wo er wirkt, wird aus Nebeneinander ein echtes Miteinander. 

Und der Auftrag endet nicht im Obergemach. Der Heilige Geist heiligt nicht nur, um die Kirche »für sich« zu halten, sondern damit das Evangelium hinausgeht. Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch: gesandt, um Jünger zu machen – für alle Nationen. Der Geist treibt uns, den geschützten Raum der Kirche zu verlassen, an die Ränder hinauszugehen. Papst Franziskus nannte die Kirche ein »Feldlazarett«. Gerade in unseren Tagen dürfen wir uns neu darauf besinnen. 

Bitten wir täglich neu um den Heiligen Geist. Denn Pfingsten zeigt: Der Heilige Geist erneuert. Er verwandelt Furcht in Mut, Verwirrung in Verstehen und Abgeschlossenheit in Sendung. Er tut das nicht nur damals, sondern »heute« – und so wird das Reich Christi in der Zeit der Kirche gegenwärtig, noch nicht vollendet, aber sichtbar in seinem Wirken an den Menschen.

Amen.