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10. Sonntag im Jahreskreis A - 7. Juni 2026

Wer ist Gott für mich? – Diese Frage drängt sich auf, wenn wir die Lesungen des heutigen Sonntags genauer betrachten. Welches „Gottesbild“ habe ich?Wenngleich es uns nicht erlaubt ist, ein Bild von Gott anzufertigen, so entsteht ja doch in unserer Vorstellung, durch unsere Lebenserfahrung ein „Bild“. 

Ist Gott der „gute Kumpel“, der uns nichts anderes aufträgt, als dass wir halt alle „lieb zueinander“ oder „gut zueinander“ sind – Das wäre der Gott der Humanisten, aber nicht der Gott und Vater Jesu Christi. 

Ist Gott der „General“, der nur darauf wartet, bis einer seiner Rekruten sich nicht den Regeln gemäß verhält, um sofort strafend dreinzuschlagen? – Das wäre der Gott der in der Kindererziehung gescheiterten, denen kein anderes Erziehungsmittel mehr bleibt als zu sagen: „Gott wird dich strafen!“

Ist Gott nur ein unentdeckbares „Höheres“, das irgendwie in allem, von Pflanze bis Mensch, von Stein bis Tier steckt? – Das wäre der Gott der Pantheisten oder so mancher östlichen Religionen, die von einer „Weltseele“ reden. 

Was zeichnet den Gott und Vater Jesu Christi aus? Was können wir von ihm erfahren, wie ihn kennenlernen?

Hosea beschreibt ihn als einen enttäuschten Gott. Seine Liebe wird vom Volk zurückgewiesen. Hat sich Gott in uns getäuscht? In seinen Geschöpfen, vielleicht sogar in seiner Kirche? – Ehrlicherweise müssen wir so oft diese Frage mit „Ja“ beantworten, wo wir seine Liebe zurückgewiesen haben, wo Allzu menschliches und Machtstreben und „Vetternwirtschaft“ die Grundprinzipien menschlichen, leider auch kirchlichen Handelns, waren. Und zugleich müssen wir wahrnehmen, dass er, der allwissende Gott, auch auf den krummsten Linien gerade schreibt, auch die menschlichen Fehler und Schwächen und Sünden schon seit Ewigkeiten in seinen Heilsplan aufgenommen hat. 

Eines sagt uns Hosea deutlich von unserem Gott, Jesus wiederholt es auch im Evangelium: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“ – Gott sehnt sich nach unserer Liebe, nach Barmherzigkeit im Leben des Menschen, nicht nach hohlen Glaubensformeln, schon gar nicht nach lieblos vollzogenen Opferhandlungen. 

Paulus beschreibt uns Gott als einen, auf den wir rückhaltlos vertrauen dürfen, auf den wir rückhaltlos hoffen dürfen, weil er selbst unser Rückhalt ist. Er stellt uns den Abraham vor als Vorbild dieses Glaubens gegen alle Hoffnungslosigkeit. 

Und Jesus zeigt uns in der Berufung des Levi – Matthäus, wie Gott an uns handelt. Seine Liebe ruft. Ohne Bedingungen, ohne den – uns Menschen so eigenen – richtenden, urteilenden Blick auf Vorleben und menschliche Qualitäten. Den „korrupten“ Zöllner macht er zum Apostel, die Sünderin zur treuen Nachfolgerin, den vorerst mutlosen Jünger Petrus zum Anführer seiner Brüder, den anfänglichen Feind des Christentums, Paulus, zum Heidenapostel. 

 

Und er ruft uns – sie und mich, in Liebe und Treue zu seinem Wort, das er uns in Taufe und Firmung zugesagt hat. 

Amen.