11. Sonntag im Jahreskreis A - 15. Juni 2008
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Erntezeit – das ist das Leitmotiv im heutigen Evangelium. Erntezeit ist im Reich Gottes überall dort, wo das Wort Gottes verkündigt wird. Diese Verkündigung ist ein Angebot. Niemand kann gezwungen werden, dieses Angebot des Heils auch anzunehmen. Um das Wort Gottes zu verkünden, braucht es „Arbeiter für die Ernte“, wie Jesus das Bild der Ernte weiterdenkt. Und es braucht die Bitte an den „Herrn der Ernte“, an unseren Herrn und Gott, dass er Menschen beruft, als Arbeiter für seine Ernte tätig zu werden.
Vor einer Woche haben wir von der Berufung des Levi-Matthäus gehört, heute von der Berufung der zwölf Jünger, die ausgesendet werden.
Was da vor 2000 Jahren geschehen ist, bleibt für Gott und seine Kirche aber kein abgeschlossener Vorgang. Der Herr ruft Arbeiter für seine Ernte. Und er tut dies auf ganz persönliche – und deshalb auch sehr unterschiedliche – Weise. Wie er die Apostel so unvergleichlich und unverwechselbar zu sich gerufen hat, so tut er es auch heute in seiner Kirche. Er ruft zuerst uns alle – er beruft uns zum gemeinsamen Priestertum aller Getauften. Und er ruft Menschen in das Dienstamt des Diakons, des Priesters und des Bischofs. Allen gemeinsam ist der Auftrag, durch ihr Leben und ihr gesprochenes Zeugnis den Samen des Gotteswortes in diese Welt zu säen. Und den zum Priestertum oder zum Diakonat Berufenen gibt Jesus noch den Auftrag und die Befähigung mit, die Liebesgaben Gottes in den Sakramenten zu spenden und den Gläubigen das Wort Gottes in der Predigt zu erklären.
Blicken wir auf das gemeinsame Priestertum aller Getauften. Dies bedeutet zuerst eine Verwirklichung dessen, was uns bereits im Buch Exodus von Gott nahegebracht werden will: Ein Zeugnis des Vertrauens in diesen Gott unseres Lebens, der auch uns „auf Adlerflügeln getragen“ hat. Eines Gottes, der bereit ist, alles für seine Geschöpfe zu geben. Wie groß ist unsere Antwort darauf und unsere Bereitschaft, für sein Wort einzutreten? Und wie schnell sind wir mit einer Ausrede zur Stelle, wie schwierig das heute sei, Menschen für die Kirche zu begeistern?
Paulus gibt uns einen intensiven Hinweis, was Gott in seinem Sohn Jesus Christus für uns getan hat. Und unsere Aufgabe, zu der Christus uns beruft, ist nicht der „Verkauf irgendeines Produktes“ – Wir dürfen den Menschen das Leben anbieten – Leben in Fülle, Heil und Erlösung.
Eine Dichtung aus dem 13. Jahrhundert sagt: Christus hat keine Hände, nur unsere, um seine Arbeit heute zu tun. Und weiter unten heißt es: Wir sind die letzte Bibel, die die Menschheit noch liest.
Nehmen wir diesen Auftrag ernst!
Amen.