16. Sonntag im Jahreskreis - A - 19. Juli 2026
So manchem Landwirt oder auch Hobbygärtner wird das Evangelium heute aus der Seele gesprochen sein. Der ewige Kampf gegen das „Unkraut“, dessen Lebenskraft offensichtlich unüberwindlich ist.
Zugleich weiß jeder Gärtner, wie gefährlich es ist, ein kleines Pflänzchen auszureißen, wenn man es vorschnell als Unkraut definiert. So mancher Trieb einer so lange herbeigesehnten Kulturpflanze ist diesem Tun schon zum Opfer gefallen. Und genau darum geht es unserem Herrn Jesus heute, wenn er das Reich Gottes – ja unser Leben – mit diesem Weizenfeld vergleicht.
Urteilen wir nicht vorschnell – besser noch, urteilen wir gar nicht - ob etwas Unkraut oder Weizen für das Reich Gottes ist. Lassen wir Gott das Urteil. Denn so manches Aufstrebende in der Kirche hat sich schon bald als große Katastrophe erwiesen, und so manches Unscheinbare, oft auch Bekämpfte, hat das Leben der Kirche entscheidend positiv geprägt.
Doch wie sollen wir in unserer Entscheidung handeln? Einfach alles zulassen in einer falsch verstandenen Toleranz, weil wir ja alle „lieb zueinander“ oder „gut zueinander“ sein wollen, was meist in ein aufgesetztes, ja eingefrorenes Lächeln degeneriert?
Oder rigoros alles bekämpfen, was nicht in unser Bild von Kirche passt? Schwarz-weiß-Malerei hat einen entscheidenden Nachteil: Es fehlt ihr die Farbe, die dieses Leben erst schön macht!
Zum wahren Leben im Reich Gottes, zum Zulassen des Unkrautes und trotzdem unermüdlichen Suchen des Guten, braucht man viel Kraft. Oft steht dann der Zweifel entgegen, ob unsere menschliche Kraft ausreicht. Gerade in diesen Momenten dürfen wir auf den Hl. Paulus hören, der sagt: „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an!“ Und mit den Worten des Weisheitsbuches dürfen wir lernen, weniger auf unsere eigene Kraft und Urteilsfähigkeit zu vertrauen und viel mehr auf Gott zu schauen, der unser einziges Ziel ist.
So manches Unkraut, das man im eigenen Garten übersehen hat, entfaltet eine wunderschöne Blütenpracht, so manche „Kulturpflanze“ hält nicht, was der Katalog der Gärtnerei versprochen hat. Im Reich Gottes hat beides seinen Platz – und Gott selbst ist es, der am Ende der Zeiten Unkraut von Weizen trennen wird.
Lassen wir seinen Willen zu und suchen wir seinen Weg für unsere Zeit!
Amen.