21. Sonntag im Jahreskreis A - 23. August 2026
Liebe Gläubige, versammelte Gemeinde!
„Für wen halten die Leute den Menschensohn – für wen haltet ihr mich?“ - Eine eigenartige Frage des Gottmenschen Jesus Christus, des allwissenden Gottes, der sich doch leicht selbst die Antwort darauf geben könnte. Aber es geht dem Herrn um etwas ganz Wichtiges: um ein Nachdenken unsererseits über ihn, primär über unsere Haltung zu ihm und unser Bild von ihm.
Die Frage des Messias ist in den 2000 Jahren gleich aktuell geblieben. Mitunter sind unsere Antworten anders geworden. Heute verwechseln wir den Menschensohn nicht unbedingt mehr mit einem der alten Propheten, sondern mit einem Sozialreformer, mit dem „einzigen und echten Marxisten dieser Erde“, mit einem Revoluzzer, der die Gesellschaft auf den Kopf stellen will, um sie damit ins rechte Lot zu beuteln.
Der Irrtum ist damals wie heute der gleiche. Denn das reine Einordnen Jesu in die Reihe der Propheten geht ebenso fehl wie die Beschneidung seiner Persönlichkeit und Bedeutung auf jene weltlichen Prinzipien von Politik und Sozialreform. Und wenn manch ein Philosoph von einer „Achsenzeit“ spricht, in der die großen „Religionsstifter“ von Buddha über Christus bis Mohammed auftraten, so mag dies von außen her berechtigt sein, greift aber bei genauerer, gläubiger Betrachtung des Menschensohnes um Ewigkeiten zu kurz.
Denn Jesus ist nicht gekommen, um ein Wort Gottes zur Weisung, zur Änderung der menschlichen Haltung, zur Bekehrung allein auszusprechen, wie dies ein Jona in Ninive oder einer der anderen Propheten zu seiner Zeit tat. Er ist das eingeborene Wort Gottes, das gekommen ist, um diese Welt zu erlösen.
Jesus hat nicht „noch eine“ Religion gestiftet, damit die Menschen halt eine Auswahlmöglichkeit mehr haben, ein Lebensgestaltungsmodell zu wählen, um damit einen Weg zu finden, diese Welt zu ertragen, und untereinander „ein bisschen gut“ zu sein. Er hat die Kirche gegründet, wie er heute dem Petrus ganz deutlich sagt. Er hat diese Welt aus den Fängen der Finsternis gerissen, dem Teufel die Macht genommen, durch seinen Tod den Tod vernichtet und so dem irdischen Leben einen neuen Sinn gegeben.
Jesus ist nicht gekommen, um die soziale Gesinnung der Menschen zu stärken, sondern ihnen zu zeigen, dass ihre Nächstenliebe als Spiegelbild der göttlichen Liebe Grundauftrag aller Erlösten ist. Jesus ist nicht gekommen, um zu revoltieren, menschengemachte Ordnungen zu zerstören, um im Chaos neues aufzubauen. Er ist die Ordnung des Kosmos schlechthin. Und in seiner Erlösungstat am Kreuz hat er diese Ordnung in die Welt gebracht. Aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung, sagt Paulus im Römerbrief. Und dies kann wohl keiner der anderen Sozialreformer, Politiker, Religionsstifter, Propheten usw. von sich behaupten.
Durchleuchten wir unser eigenes Bild vom Herrn. Können wir in das Bekenntnis des Petrus einstimmen: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“?
Bitten wir den Heiligen Geist, um die rechte Einstellung, um Klärung unserer Gedanken, dass wir neu in Beziehung treten können zu unserem Herrn und Gott, der uns in Jesus Christus sichtbar begegnet ist. Ihm sei Ehre in Ewigkeit.
Amen.