24. Sonntag im Jahreskreis A - 13. September 2026
„Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du bittest, deine Sünden vergeben!“ – Jesus Sirach weist uns an, Vergebung zu üben.
Sticht er da nicht in einen wunden Punkt unseres Lebens?
Ist es wirklich so einfach? Die Frage des Petrus im Evangelium deutet schon darauf hin: Einmal muss doch wohl Schluss sein mit der Geduld, mit der ständigen Bereitschaft zum Vergeben, sonst tanzt einem der andere ja auf der Nase herum …
Die Antwort des Herrn hat ihre Ecken und Kanten. Siebzig mal siebenmal vergeben. 490-mal! Dafür reicht wohl ein Menschenleben nicht … und oft unsere Geduld auch nicht.
Und trotzdem, oder gerade deswegen ist dies ein unübersehbares Zeichen, an dem die Jünger Christi zu erkennen sind. Wenn wir den Namen „Christin“ oder „Christ“ tragen, dann ist die Bereitschaft zur Vergebung, die ja aus einer ehrlichen Liebe kommt, eines der wichtigsten Fundamente.
Doch wie können wir dies umsetzen? Sind wir als Christen dann nicht immer die Schwächeren? Die Dummen? Die sich alles gefallen lassen (müssen)?
Wenn wir so zu fragen beginnen, gehen wir – so meine ich – am eigentlichen Problem vorbei. Denn die Bereitschaft zur Vergebung heißt ja nicht, dass wir Unrecht unkritisch zulassen müssen.
Die Bereitschaft zur Vergebung beginnt ganz woanders. Stellen wir uns einfach konkret die Frage: Wie kann ich damit umgehen, dass jemand an mir Kritik geübt hat? Oder vielleicht ein etwas zu lockeres Wort über mich verloren hat? Bin ich dann im Innersten verletzt und zerstört und warte ich nur darauf, es dem Betreffenden heimzuzahlen, ihm einen Denkzettel zu verpassen? Oder kann ich auch hier den Aufruf Jesu ernst nehmen?
Denn mein Tun hat Konsequenzen! Das sagt uns Paulus heute klipp und klar. Keiner lebt sich selber, keiner stirbt sich selber. Irgendwann müssen wir Rechenschaft ablegen. Auch über unsere Unversöhnlichkeiten.
Lucius Annaeus Seneca, der große Weisheitslehrer der Stoa, sagte: »Vergebung entspringt der Einsicht, dass Fehler zur menschlichen Natur gehören. Zorn ist eine vorübergehende Geisteskrankheit, die man rational überwinden muss.«
Denken wir heute nach, wo es Unversöhntes in unserem Leben gibt. Und springen wir über unseren eigenen Schatten, neu auf einen Menschen zuzugehen und ihm die Hand zur Versöhnung zu reichen.
Amen.