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27. Sonntag im Jahreskreis A - 4. Oktober 2026

Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gemeinde!

Vom Weinberg singt der Prophet Jesaja ein Lied. In der ersten Lesung haben wir es gehört.

Der Weinberg erscheint oft in der Sprache des Alten Testaments als Bild für das auserwählte Volk und für das Wirken Gottes an ihm. Sicherlich hatte unser Herr Jesus Christus dieses Weinberglied, eine Perle biblischer Dichtung, im Hintergrund, als er das Gleichnis von den bösen Winzern erzählte. 

Der Weinberg, das ist das auserwählte Volk, das die Verheißung eines Erlösers bis zu seiner Ankunft durch die Geschichte trug; und der Weinberg ist auch das neue Volk Gottes, die Kirche, die das Werk des Erlösers durch die Zeiten weiterträgt. Der Weinberg, das sind schließlich wir selbst, die wir mit Christus verbunden sind. So dürfen wir uns immer neu in der Gewissenserforschung fragen: Sind unsere Werke süße Trauben oder saure Beeren?

Wir wissen um die bittere Frucht unseres Lebens, um die Sünde. Die Geschichte der Menschheit und unsere eigene Lebensgeschichte zeugen davon. Damit unser Weinberg, unsere Kirche, wir selbst, süße Trauben trägt, ist es nötig, ihn sorgsam zu pflegen. 

Lieblosigkeiten, voreiliges Urteilen, unterschwelliges Nachtragen, Trägheit in der Pflichterfüllung sind an sich nur lässliche Sünden. Aber in Summe machen sie unsere Werke armselig, erzeugen sozusagen saure Beeren. 

Paulus hat uns heute ermuntert, auf das Gute zu achten, welches es in der Welt gibt.

Alles, was unseren Alltag ausmacht, die berufliche Arbeit das Familienleben, der Umgang mit Freunden – Alles kann die Süße der Trauben gewinnen, die der Herr des Weinbergs erwartet. Die Gelegenheiten dem Herrn gute Früchte zu bringen, sind oft nach außen hin einfach, banal, und doch haben sie das Aroma innerer Überwindung: Das pünktliche Aufstehen am Morgen, eine kleine Erkältung oder andere Wehwehchen gelassen ertragen, ein kleines Dankeschön an unseren Mitmenschen, wo er es gerade nicht erwartet, was man begonnen hat, nicht allzu lange auf die lange Bank schieben. Nur scheinbar sind diese Dinge lediglich sachliche Verrichtungen. In der Gegenwart Gottes gewinnen sie eine neue Dimension. Ein Stoßgebet, der Blick auf das Kreuz oder ein Marienbild, ein Gruß des Herrn im Allerheiligsten, wenn wir zu einer Kirche kommen, all das darf uns helfen, Jesu Wort in uns Wirklichkeit werden zu lassen. Wir vertrauen uns Maria, der dieser Rosenkranzmonat Oktober geweiht ist, an, damit in unserem Weinberg, in unserem eigenen Leben, in unserer Pfarrgemeinde Früchte wachsen, die den Herrn erfreuen. 

Amen.