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6. Jänner 2023 - Erscheinung des Herrn

Steh auf, werde licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir.

Die Perikope aus dem Buch Jesaja, die uns eine sehr drastische Situationsbeschreibung unserer Welt und Gesellschaft darlegt,  beginnt mit einem Aufruf. An Jerusalem. Und damit an das neue Jerusalem. An uns, als Kirche, als Volk Gottes des Neuen Bundes. 

„Steh auf!“ - Bleib nicht liegen in der Lethargie des Beweinens der Zustände. Bleib nicht liegen in der Sattheit einer blind und taub gewordenen Wohlstandsgesellschaft. Steh auf und werde licht. Lass etwas erstrahlen in deinem Leben!

Dies ist aber nur möglich, weil uns für dieses Aufstehen und Licht-Werden von außen eine unsagbar große Hilfe geschenkt wird. „Denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir.“

Wo wir Menschen glauben, alles aus eigener Kraft, in den Grenzen unseres Wissens und Verstandes, mit den Mitteln menschlicher Argumentation und Überzeugungskunst lösen zu können, werden wir scheitern. Und es Finsternis wird uns bedecken. Wo wir aber den Blick heben und zu dem aufschauen, der das wahre Licht ist, kann unser Tun und Denken diese Welt hell machen. 

„Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie und verkünden die Ruhmestaten des Herrn“, hieß es am Ende der ersten Lesung. Nur aus Saba? Hoffentlich auch aus Mönchhof, aus Wien, von überall her. Die Menschen werden dann NEU kommen können, einen neuen Schwung erfahren, wenn sie das Licht in unserem Leben erkennen können. 

Dieses Licht darf weit über die Grenzen dessen hinaus strahlen, was wir als Kirche oder christliche Gemeinschaft erkennen. Gerade der heutige Tag soll uns dies neu zeigen. Deshalb bezeugt uns der Völkerapostel Paulus auch im Brief an die Gemeinde von Ephesus, „dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.“

Mit dem Blick auf die Sterndeuter, die einen Stern aufgehen sahen, möchte ich einen dritten Gedanken mit Ihnen teilen: 

Mit einem Herzen voller großartiger Eindrücke und Erinnerungen bin ich vor 3 Tagen von Indien heimgekehrt. Etwas war für mich besonders auffällig. Ob großartige Villen, prunkvolle Kirchen oder einfachste Hütten von Reis- oder Viehbauern: Nirgends fehlte der Betlehemstern als weihnachtliches Zeichen. Zumeist ein fünfzackiger Stern, dessen unterer Zacken länger war als die anderen. Oftmals sehr bunt, mit vielen kleinen Lichtern verziert, blinkend, strahlend. (Ich habe mir einige Male die Frage gestellt: Was haben die Inder getan, bevor die kleinen LED-Lichterketten erfunden waren …?)

Überall waren die Bethlehemsterne zu sehen. 

Vielleicht verbinden die Menschen damit die Sehnsucht, im Leben stets dem richtigen Stern folgen zu können. 

Und diese Sehnsucht sollten wir teilen – und am heutigen Tag vom Text des Evangeliums auch in neuem Licht betrachten können. 

Es ist müßig irgendwelche wissenschaftliche Forschungen anzustellen, ob es ein Komet, eine Planetenkonstellation, eine Super-Nova oder sonstiges Himmelsschauspiel gewesen war. Der Stern führte diese Männer zum Ziel ihres Lebens. Zum Ziel unseres Lebens. Zum Zielpunkt alles Seins und Werdens, zum letzten und endgültigen Haltepunkt unseres Daseins. Deshalb sollte auch für uns diese Sehnsucht im Herzen brennen, dem richtigen Stern zu folgen. 

Nicht den oft so hell aufstrahlenden Glanzlichtern unserer Welt, die umso schneller wieder verglühen. Nicht den Stars und Sternchen aus der Glitzerwelt von Film, Theater oder Musik, nicht den Stars aus dem Sport, die millionenschwer ihre Leistungen vollbringen.

Sondern diesem einen Stern. Vielleicht nur sehr schwer zu finden, unter den vielen Lichtern. Aber so unheimlich wichtig, dass die Weisen alles liegen und stehen ließen, ihre Schätze mitnahmen, um den neugeborenen König, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, finden zu können. 

Unser verstorbener Papst Benedikt XVI., der gestern zu Grabe getragen wurde, hat anlässlich des Dreikönigsfestes 2012 in seiner Predigt gesagt: „Der große Stern, die wahre Supernova, die uns führt, ist Christus selbst. Er ist gleichsam die Explosion der Liebe Gottes, die den großen Lichtglanz seines Herzens in die Welt hineinleuchten lässt.“

Suchen wir nach diesem wahren Stern. Lassen wir uns von den Irrlichtern unserer Zeit nicht verwirren. Und tun wir es wie die Heiligen Drei Könige, knien wir nieder vor dem göttlichen Kind. Schenken wir ihm die Schätze, die wir haben, unser Leben, unser Wollen, unsere Zukunft.